Tag 48 | Antwerpen - Calais


Um 11:11 Uhr fahren wir Richtung Calais, um dort mit der Fähre nach Dover überzusetzen. Ralf freut sich besonders auf Großbritannien. Und ich mich auf das Eden Project. In meiner Vorfreude recherchiere ich ein wenig über die Biome (riesige, halbrunde Gewächshäuser des Eden Projects) und finde heraus, dass diese tatsächlich in Würzburg gefertigt wurden :-D

Wir halten an einer Tankstelle, die wohl schönste Tankstelle der Welt. Man könnte sich in einem Naturfachgeschäft oder Restaurant wähnen - so ansprechend sind Ambiente, Artikelauswahl und Präsentation. "Huisgemaakt & Heerlijk" Scheiwijk (sinds 1928) ist zu lesen.

Unsere Mittagspause verbringen wir in Antwerpen. Dort parken wir an einem alten Fort van Merksem mit tollem Park und Spielplatz. Seine sternförmige Gestalt hat mich beim Blick auf das Navigationsgerät spontan ganz magisch angezogen. Es ist sehr ruhig und schön gelegen. Der Spielplatz ist sehr schön und aus Holz "Made in Germany". Hier gibt es auch einen Naturverein im alten Fortgemäuer. Einer der Männer sagt auf meine Frage hin, dass es einen Laden mit teilweiseweise unverpackten Sachen gibt... in der Nationalstrad. Aber reine Unverpacktläden gibt es in Antwerpen nicht, sagen die Senioren...

Ich koche Spaghetti Carbonara auf vegane Art im Bus, dazu gibt es Salat. Als wir mit Essen fertig sind fährt der Eiswagen, wie bestellt, vor. Beim Herfahren ertönt der Klang einer Spieluhr. Es ist fast surreal. Natürlich freuen sich die Kinder über diesen unverhofft leckeren Nachtisch.

Im Carrefour Supermarkt gibt es eine riesige Auswahl. Er ist unglaublich riesig. Natürlich kann man hier schon Self-Check-Out machen.. Kassierer*innen sind größtenteils überflüssig. Dennoch sehe ich an einer Kasse einen Mann, vermutlich der Marktleiter.

Ich habe große Lust ihn zu fragen, wie er das eigentlich aushält - angesichts der täglichen Plastikberge, die hier durch "seinen" Laden geschleust werden... ob er für sich persönlich einen Ausweg sieht...?

Ich bemerke sehr viele übergewichtige Menschen. Eine Frau geht an einem endlos scheinenden Weinregal entlang... ich schaudere - all diese Masse an Waren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand diese Masse "verarbeiten" kann, geschweige denn wirklich braucht. Es ist der absolute Overkill, in meinen Augen.

Und auf der einen Seite... verhungern Menschen. Wie kann man das in 2019/2020 noch rechtfertigen? Es ist der blanke Wahnsinn. Ich danke Foodsharing und ToGoodToGo und wie sie alle heißen, dass sie der Lebensmittelverschwendung etwas entgegen setzen. Ich frage mich aber gleichzeitig, warum die Menschen nicht endlich aufwachen.

Wachstum hat Grenzen und es ist gut und tut gut diese Grenzen wahrzunehmen und daraus neue Möglichkeiten zu entwickeln. Auch Straßen haben Grenzen. Das merkt man hier in Belgien genauso wie im Stuttgarter Raum in Süddeutschland. Dafür wächst der Mais hier grenzenlos... ob das ohne Genmanipulation auch so wäre? Wohl eher nicht... oder?

Um 18:30 Uhr erreichen wir Calais "Village de Fleures". Der Campingplatz Fort Lapin ist einfach aber gut. Wir übernachten für 28,- € inkl. Strom. Wir verbringen den Abend am Strand, der nur wenige Minuten von unserem Platz entfernt liegt. Unser Weg dorthin führt über die "Dunes de Fort Mahon" und ein Meer von orange leuchtenden Sanddornbeeren. Der Strand ist überwältigend. Das Meer ist aufgrund der Ebbe ewig weit zurück gegangen und man sieht unbeschreiblich schöne Muster, Formen, Wellen, dazwischen Wasserrillen im Sonnenuntergang leuchtend, schillernd und Muscheln, Krebse, Steinchen, …

Es sieht fast surreal aus, wie dicht die Fähren am Strand vorbei fahren. Die Kinder sind fasziniert und rennen und spielen bis zum Abendessen. Wir gehen früh zu Bett, denn die Fähre geht am nächsten Tag um 9:15 Uhr. Und eine 45 min vorher sollten wir mindestens da sein... die Vorfreude wächst.


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